Kleiner Kulturkreis Lütjenburg
Nachlese 2008
Freitag, den 15. Februar 2008 fand ein Ganztägiger Ausflug in die Bremer Kunsthalle zur Ausstellung von Paula Modersohn-Becker (1876-1907) statt.

Voller Erwartung fuhren die Teilnehmer der Exkursion bei strahlend blauem Winterhimmel nach Bremen , um die Ausstellung "Paula in Paris " zu sehen. Zum 100.Todestag von Paula Modersohn-Becker präsentierte die Kunsthalle Bremen eine faszinierende Werkschau mit über 50 ihrer Meisterwerke, erstmals seit über drei Jahrzehnten in Bremen vereint.Im Mittelpunkt stand die späte Schaffensphase ihres kurzen Lebens, in dem Paula Modersohn-Becker gleich viermal - 1900, 1903, 1905 und 1906/07 - nach Paris reiste.

Frau Neumann-Schwarz gab während der Busfahrt eine kurze Einführung in Paula Modersohn-Beckers Leben und Schaffen,um die Teilnehmer auf die Ausstellung einzustimmen.Zeitgleich fand in der Böttcherstraße eine Ausstellung mit dem Titel" Paula Modersohn-Becker und die ägyptischen Mumienportraits" statt, auf die Frau Neumann-Schwarz aufmerksam machte und sehr empfahl.

Mit Stadtplänen ausgerüstet erkundeten die Kunstinteressierten in Kleingruppen die Bremer Altstadt, bevor man sich zum Ausstellungsbesuch vor der Kunsthalle traf. In zwei Gruppen wurden die Teilnehmer unter sehr kompetenter Leitung durch die einzigartige Ausstellung geführt, die veran- schaulichte, welche künstlerischen Impulse Paula Modersohn-Becker in Paris empfing. Im direkten Vergleich ihrer Stillleben und Figurenbilder mit Werken der französischen Avantgarde werden die Berührungspunkte ihres Schaffens mit der Kunst im Paris jener Tage deutlich. Renommierte Museen stellten dafür Leihgaben von außer-ordentlichem Wert zur Verfügung.

Die einhellige Meinung der Mitfahrenden war, dass sich diese Fahrt in vielerlei Hinsicht gelohnt habe.
 
 
Dr. Burckhard Garbe

Die zahlreichen Besucher der literarischen Lesung "Goodby Goethe-Sprachglossen zum Neudeutsch" von Dr. Garbe zeigten von Anfang an, welch großes Interesse der Thematik entgegengebracht wurde. Fast zwei Stunden fesselte Dr. Garbe seine Zuhörer mit seinen amüsanten Betrachtungen über neudeutsche Redewendungen, Unlogisches in der Sprache, die Sprache der Werbung, missverstandenen Gebrauch des Apostroph-S, die Abkürzungen im deutschen Sprachgebrauch. Als sich Dr.Garbe im Anschluss an die Lesung den Fragen des Publikums stellte, entwickelte sich ein lebhaftes Gespräch aus Fragen, Anregungen und Beispielen aus der Zuhörerschaft.

Am nächsten Tag fand eine Lesung im Hoffmann-von-Fallersleben-Schulzentrum vor 140 Schülern der 7. bis 12. Jahrgänge statt. Die Schüler waren sehr gespannt darauf, einen Autor kennen zu lernen, dessen Gedicht über Sprachspiele im Deutschbuch der 10.Klasse zu lesen ist. Es herrschte während der Lesung eine aufmerksame und angenehme Atmosphäre, die dazu dienen könnte, Hemmschwellen abzubauen und literarisches Leben in die Schule zu holen. Für die Initatioren dieser Doppellesung war es eine gelungene Verkopplung, die auf ähnliche Art fortgeführt werden könnte.
Das war ein schöner Abend mit Duo Fairing – Songs & Places of Ireland – am 8. März 2008 im Kulturzentrum „Alte Schmiede“

Frank und Ursula O´Keeffe, bekannt unter dem Namen „Duo Fairing”, beeindruckten mit ihrem Programm „Songs and Places of Ireland”. Die beiden Künstler überraschten mit einem völlig neuen Programmkonzept aus einer Kombination von irischen Liedern und dazugehörigen Bildern, Gedichten, Geschichten und kleinen Tanzeinlagen aus dem Südwesten der „grünen Insel”. Das „Duo Fairing” brachte uns humorvoll, mit viel Feingefühl und liebevoll ihre irischen Landsmänner und -frauen sowie deren Kultur in Städten und Dörfern nahe. Traditionelle Musikinstrumente wie u. a. die irische Harfe, der irische Dudelsack oder die Fiddle und Gesang begleiteten stimmungsvolle Lichtbilder, welche die Lebenseinstellung und den Alltag der Bevölkerung eindrucksvoll wiederspiegelten. Frank und Ursula O´Keeffe übermittelten musikalisch und visuell die besondere Atmosphäre, welche die grandiose Landschaft und deren Bewohner ausmacht. Dieser Abend wurde ein voller Erfolg. Ein erneuter Besuch des „Duo Fairing” in Lütjenburg mit neuen Songs und Bildern wird demnächst angestrebt und stößt bereits jetzt auf reges Interesse.

Text: © Treffpunkt-Magazin

 
 
 
    Fotos: Marc Richter
Komödien, Tragödien und der höhere Blödsinn präsentiert von Hans Scheibner im Uns Huus am 18. April 2008

Viele Lütjenburger fanden an diesem Abend den Weg in den Festsaal des Uns Huus, um das kabarettistische Urgestein Scheibner mit neuem Programm und in voller Fahrt zu erleben.

Mit unglaublichem Tempo wechselte Hans Scheibner zwischen Politischem und Privatem. Dazwischen gab es spöttisch Gereimtes aus seinem Gedichtband “Ich werde nie erwachsen, nie!“ und Dialoge zwischen dem Rentnerehepaar Hermann und Hermine.
Auch die Wirtschaft wurde gegrüßt mit der Glosse “Der Aufschwung ist unten angekommen!“(Dies hört sich ein bisschen paradox an. Wie soll etwas, was nach oben schwingt, jemals unten ankommen.)
Die satirischen Seitenhiebe auf die katholische Kirche blieben nicht aus, und den Zuschauern wurden Auszüge des Maßnahmenkataloges der Kirche zur Verhütung vorgestellt. Das Publikum wurde gefragt: „Liselotte, wie lauten die drei Grundformen des Kusses?“

Gut, dass Hans Scheibner seinem Aussehen eine sportive Note durch das Tragen von farbenfrohen Sportschuhen verleiht (sicherlich aus einem “Runners World“ – Fachgeschäft). Die Schuhe unterstützten ihn bestimmt darin, auch als Improvisationskünstler eine gute Figur zu machen. Der Stuhl auf dem Scheibner saß brach nämlich zusammen. Er konnte diese Situation jedoch mit einer körperlichen und sprachlichen Leichtigkeit auffangen, als wäre es ein Teil seines Programmes gewesen.

Die Lütjenburger hatten eine vergnügliche Gelegenheit, miteinander im Gespräch zu sein und erlebten einen Hans Scheibner wie er leibt und lebt.

Text: Andrea Regina Voigt
 
 
v.l.: R. Vogt , H. Scheibner, C. Jöhnk (Sponsor)   Fotos: Marc Richter
Aufgeräumt mit Lebens(mittel)lügen
Hellmuth Karasek nahm Politiker
und Schlagerstars aufs Korn


Lütjenburg ­ ,,Viel zu arbeiten, ist die einzige Rettung im Alter. Ich muss immer neue Projekte im Kopf haben, sonst packt mich die Angst vor dem Einrosten", verneinte Hellmuth Karasek die Frage, ob er nicht manchmal froh sei, als 74 Jähriger der Alltagshektik entfliehen zu können. Das Alter scheint für ihn wenig Reize zu haben. Und als der renommierte Journalist und Schriftsteller im Gemeindehaus der evangelischen Kirche Lütjenburg aus seinem Buch ,,Süßer Vogel Jugend oder Der Abend wirft längere Schatten", las, schwang immer ein wenig Wehmut mit.

Als Kontrast dazu stellte der Wortakrobat den rund 80 Zuhörern sein neuestes Werk vor: ,,Vom Küssen der Kröten und andere Zwischenfälle" ­ eine Sammlung von Glossen, die er für die ,,Berliner Morgenpost" und das ,,Hamburger Abendblatt" geschrieben hatte. Auf die selbst gestellte Frage, warum Glossen eigentlich geschrieben werden, die keiner unbedingt braucht, hat er die launige Antwort schon parat: ,,Weil das Leben bekanntlich zwar die schönsten Geschichten schreibt, selbst aber nicht schreiben kann." Mit hintergründigem Humor und pointierter Selbstbeobachtung nimmt er in diesen Kurztexten Politiker und selbst ernannte Schlagerstars aufs Korn.

Der 1934 in Brünn (Tschechien) geborene Litera-turkritiker räumt auf mit den Lebens(mittel)lügen ­ vom vermeintlich ach so gesunden Spinat über das noch gesündere Wasser, ,,welches die immer schönen, immer schlanken und braun gebrannten Kalifornier an jedem Ampelstopp in sich hineinschütten". Nur vom Gläschen Rotwein, von dem er genau wisse, dass es Körper und Geist belebe, lasse er sich von niemandem mehr abbringen.

Immer wieder reagierte das Publikum mit Lachern und Zwischenapplaus, oft auch mit heftigem Kopfnicken, weil sich eigene Erfahrungen in den Geschichten widerspiegelten. Nach dem langanhaltenden Schlussapplaus und zahlreichen Signierwünschen der mitgebrachten oder frisch gekauften Bücher hofften viele, dass die zweite Lesung mit Hellmuth Karasek in Lütjenburg nicht die letzte bleiben möge.

Text: Anne Gothsch
Kieler Nachrichten vom 09.05.2008
Fotos: Marc Richter
Nachlese zur Fahrt nach Weimar vom 9.6.-11.6.2008

Das Wetter meinte es gut mit den Teilnehmern der Reise nach Weimar: Sonnenschein, blauer Himmel und angenehme Temperaturen um 20 Grad. Durch Absagen aus gesundheitlichen Gründen bestand die Gruppe nur aus 20 Personen, die sich im großen Reisebus nach Wunsch verteilen konnten. Eine Pressemappe über die Kulturstadt Weimar und der Aufsatz „Ein Tag aus Goethes leben“(12.April 1813) des Goethe-Forschers E.Trunz boten umfangreiches Material für die lange Busfahrt.

Das Hotel Anna Amalia konnte auf Grund von Straßenbauarbeiten nur zu Fuß erreicht werden. Bis zum Abendessen im Cafe am Frauentor blieb den Reiseteilnehmern noch genügend Zeit, Weimar selbständig zu erkunden; denn das Hotel lag sehr zentral.

Am 10.6. wartete schon unser Stadtführer Herr Dr. Haage vor der verabredeten Zeit im Hotel auf uns, so dass die Führung pünktlich beginnen konnte. Über zwei Stunden führte uns Dr. Haage engagiert und humorvol zu den wichtigsten Attraktionen der Stadt, stellte umfangreiche kulturhistorische Verbindungen her und zog uns durch sein umfangreiches Wissen in Bann. Das Rezitieren von Goethegedichten unterstrich die Eindringlichkeit seiner Ausführungen.

Der anschließende Besuch der Herzogin Anna Amalia Bibliothek ließ uns nur noch durch die Dokumentationen ahnen, welche Schäden der Brand vom 2.September 2004 verursacht hatte und welche Anstrengungen in der Zwischenzeit unternommen wurden, um den berühmten Rokokosaal, einen der schönsten Bibliotheksräume Europas, wieder herzustellen.

Am Nachmittag besuchten wir mit Herrn Dr.Haage als Führer den herzoglichen Sommersitz Belvedere, der sich unter Carl August zu einem Treffpunkt für die „Klassiker“ Goethe, Herder, Wieland und Schiller entwickelte. Heute ist das Schloss mit seiner blühenden Orangerie und seinem herrlichen Landschaftspark ein sehr lohnenswertes Ausflugsziel.

Im abendlichen Sonnenlicht durchwanderten wir den Schlosspark des Sommerschlosses Tiefurt und erfuhren viel über die Sonnenuhr, die Vergil-Grotte, das Trauermal für den Prinzen Constantin, den Musentempel, den Ort der Erstaufführung von Goethes Singspiel „Die Fischerin“, die Statue des Amor, das Herder-Denkmal, das Mozart-Denkmal, die Wielandbüste und das Denkmal für Leopold von Braunschweig. Vier Stunden dauerte die Führungam Nachmittag und Abend, aber wir wurden nicht müde Herrn Dr. Haage zuzuhören.

Am 11. 6. nutzten die Reiseteilnehmer den Vormittag, um ihren persönlichen Interessen nachzugehen. Eine Gruppe von acht Teilnehmern begab sich unter der Leitung von Herrn Strauß mit Fahrrädern auf die Spuren der Bauhaus-Denkmäler.

Auf der langen Rückreise wurden die verschiedenen Erlebnisse und Erfahrungen ausgetauscht und über einen erneuten Besuch der Kulturstadt Weimar nachgedacht.

Text: Ilse Allwardt

Herzlichen Dank an die Provinzial Preetz, die unsere
Eintrittskosten für den Besuch der Herzogin Anna Amalia
Bibliothek übernommen haben.

 
 
 
Lütjenburg 05.09.2008

Der Schauspieler Rolf Becker präsentierte
das Hörbuch "RUSSLAND HÖREN"


Eine musikalisch illustrierte Reise
durch die russische Kulturgeschichte.

Auf Einladung des Kleinen Kulturkreises Lütjenburg und Umgebung e.V. und des Literaturhauses Schleswig-Holstein e.V. entführte der bekannte Schauspieler Rolf Becker die Zuhörer ins alte und neue Russland. Im Rahmen einer Hörbuch Präsentation näherte er sich den Wurzeln der russischen Kultur — beginnend beim Gründungsmythos bis zum Aufbruch der russischen Avantgarde zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Er berichtete gestenreich und mit einer nuancenreichen Stimme von den Schöpfern prachtvoller Ikonen, kühnen Fürsten, weltoffenen Handelsleuten, von visionären kunstsinnigen und machthungrigen Zaren und einer künstlerischen Avantgarde. Nach dieser fesselnden Darbietung des Hörbuches "Russland hören" entwickelte sich ein längeres Gespräch zwischen den Zuhörern und Rolf Becker, das das Interesse des Publikums an dieser Lesung noch unterstrich.

Text: Ilse Allwardt
 
 
    Fotos: Marc Richter
Flapsig ging´s um Formen und Farben

Der Maler Daniel Richter besuchte für einen Vortrag
seine alte Heimat

Hohwacht – Auf das Gastspiel von Daniel Richter in Hohwacht war Reinhard Lühr ganz besonders gespannt. Immerhin hatte der inzwischen pensionierte Kunsterzieher am Lütjenburger Gymnasium den mittlerweile international renommierten Maler als Schüler unterrichtet. „Das ist zwar schon über 30 Jahre her, aber ich erinnere mich noch gut daran, dass Daniel schon in der fünften Klasse ein Talent zum Zeichnen gehabt hat“, stellte er nach dem fast zweistündigen Vortrag des Künstlers über das Thema „Moderne Kunst“ fest.

Die steile Karriere innerhalb der vergangenen zwölf Jahre hatte den 46-Jährigen, der in Lütjenburg aufgewachsen war, zwar zu einem der gefragtesten Maler der Gegenwart gemacht. Im voll besetzten Saal des Hotels „Hohe Wacht“ allerdings zeigte Daniel Richter am Sonnabend doch, dass ihn diese Art von „Heimspiel“ auf Einladung des Kleinen Kulturkreises Lütjenburg emotional nicht gleichgültig ließ: „Ich bin ein bisschen irritiert. Immerhin habe ich in dieser Gemeinde am Strand die meiste Zeit des Lebens im Wasser verbracht“, verriet er den zum Teil weit angereisten Zuhörern. Darunter dominierten allerdings zahlenmäßig Menschen, die Daniel Richter noch von früher kannten: Freunde, Mitschüler und Lehrer.

Mit seinen flott-flapsigen Beschreibungen seiner eigenen Bilder ließ der Maler dem Publikum von Anfang an keine Chance, vor dem Werk des renommierten Künstlers in Ehrfurcht zu erstarren: Seine eigenen Anfänge mit der abstrakten Malerei als Hamburger Kunststudent schilderte er als Versuch, aus „Rumgematsche“ mit bunten Farben auf der Leinwand etwas zu entwickeln. Dabei habe er sich bewusst gegen den vorherrschenden Trend der feinen Linien entschieden nach dem Motto „Je dicker, desto besser“ und Ölfarbe als Pamps klumpig aufgetragen. „Eins meiner ersten Großformate wog glatt 30 Kilo“, erinnerte sich Daniel Richter noch gut.

Wichtiger als die Farbwirkung seien ihm in der abstrakten Malerei aber stets die Formen gewesen. Dabei habe er „künstlerische Anleihen“ im Surrealismus ebenso gemacht wie im Underground und der Graffiti. Auf die Frage eines Zuhörers, wann ein abstraktes Bild fertig sei, fand der Künstler spontan die Antwort: „Wenn ich der Meinung bin, dass noch mehr Farbauftrag keinen Sinn mehr macht.“ Seit 2000 hat Daniel Richter übrigens eine künstlerische Wende vollzogen. Seitdem arbeitet er ausschließlich figurativ, orientiert sich bei der Motivwahl an Reproduktionen aus Geschichtsbüchern oder bedeutenden Themen der Menschheit wie Tod, Krieg, Liebe, Träume. Trotz der Ernsthaftigkeit, mit der er diese Gedanken malerisch realisiert, lässt er aber dem Betrachter augenzwinkernd viel Spielraum für individuelle Interpretationen. Vielleicht stellt eines seiner großformatigen Bilder ja gar nicht Liebende in der Natur dar, sondern es geht um Gruppensex im Wald oder eine Rauschgift-Razzia im Wald? In seinem Atelier entstünden inzwischen nur noch fünf oder sechs Bilder pro Jahr, verriet Daniel Richter seinem Publikum. Bei dieser Arbeitsleistung – neben dem Lehrauftrag in Wien und anderen Produktionen wie das Gestalten der Bühnenbilder für die Salzburger Festspiele – hat er gar nicht die Chance, eigene Bilder für sich selbst zu reservieren. „Deshalb besitze ich selbst nur etwa ein halbes Dutzend.“ Peb

Kieler Nachrichten vom 15.09.2009
 
Fotos: Marc Richter
 
„ Sonoc de las Tunas“
im "Uns Huus" am 25.10.2008

Fast so heiß; wie daheim; in Kuba;
Karibische Klänge rissen die Zuhörer mit


Lütjenburg - Es dauerte etwas länger, bis die Kraft der Musik allein mit rhythmischem Wippen nicht mehr aufzufangen war und es die ersten Mutigen auf die Tanzfläche zog. Aber schließlich gab die Salsa-Gruppe "Sonoc de Las Tunas" aus Kuba am Sonnabendabend ein Konzert im norddeutschen Lütjenburg.

In ihrer karibischen Heimat, so kündigte ein Pressetext an, gehören "Musik, Tanz und Gesang ebenso zum alltäglichen Leben wie Essen und Trinken". Vielleicht waren deshalb mehr Gäste als erwartet zu dem Konzert ins Lütjenburger Restaurant "Uns Huus" gekommen, zu dem der Kleine Kulturkreis der Stadt, unterstützt von der Raiffeisenbank, eingeladen hatte. "Wir wollen mit dieser Musik auch ein jüngeres Publikum und andere Zielgruppen ansprechen, um sie vielleicht für unsere Arbeit zu interessieren. Denn auch wir brauchen Verjüngung in den Reihen unserer Mitglieder", sagte Ilse Allwardt, seit 19 Jahren Vorsitzende des Kleinen Kulturkreises."

"Um gelöste Stimmung brauchte sie sich an diesem Abend keine Sorgen zu machen - das übernahmen die acht kubanischen Profimusiker mit ihren schwungvollen Rhythmen, auch wenn die Verstärker für manch ältere Ohren doch ein wenig zu stark aufgedreht waren."

"Sonoc de Las Tunas" heißt frei übersetzt soviel wie kubanische Klangfülle aus der Provinz Las Tunas", eine Region im Osten der Karibik-Insel. Mit ihrem Mix aus Salsa, Merengue, Mambo, Rumba und Chachachá, kombiniert mit Elementen des Flamenco, Calypso, Reggaeton oder Pop, machten die Musiker unter Leitung von Gilberto Portilla ihrem Namen alle Ehre und ließen die gefühlten Temperaturen im Saal rasch auf fast karibisches Niveau steigen."

"Seit 14 Jahren tourt "Sonoc de Las Tunas" regelmäßig mehrere Monate durch Europa und ist auch in Deutschland längst nicht nur bei Karibik-Fans bekannt. In ihrem Heimatland erhielten die spiel- und experimentierfreudigen Künstler im vergangenen Jahr den "Emillano Salvador Award Cuba", den kubanischen "Grammy" für das beste Arrangement kubanischer Musik. ago

Kieler Nachrichten vom 27.10.2008
 
Fotos: Marc Richter
"Tucholsky ist auch heute brandaktuell"

Lütjenburg - Ein verloren wirkender Mann betritt die Bühne - bekleidet mit einem Sakko, aus dem überlange Hemdsärmel hervorstechen. Es ist Herr Löwe. Ein paar Schritte weiter sitzt ein Straßenmusiker, aus dessen Loop-Box kurz zuvor mit Geige und Gitarre aufgenommene Musikfetzen ertönen. Und es gibt eine dritte Person. Die allerdings taucht "nur" per Text auf: Kurt Tucholsky."

"Herr Löwe ist in einem Café und blättert in einer Zeitung. Nicht in irgendeiner Zeitung. Es ist die "Kurt Kompakt". Und in der liest er, und aus der liest er vor - Tucholsky-Texte. Die Zuhörer, es sind rund 50, sitzen am Sonnabend in der Alten Schmiede in Lütjenburg, der Kleine Kulturkreis hatte zu dieser musikalisch-literarischen Reise durch die Welt des Journalisten und Schriftstellers Kurt Tucholsky (1890-1935) eingeladen. "Der Löw' ist los" nennen die beiden Akteure Jürgen Wegscheider (Herr Löwe) und István Galus (Straßenmusiker) ihr Programm. Die Texte sind alle original Tucholsky, nichts wurde hinzugedichtet, erzählt Wegscheider in der Pause den Kieler Nachrichten in einem Gespräch."

"Der Tourneestopp im hohen Norden ist für den in Österreich geborenen Schauspieler nicht ungewöhnlich: Für die Inszenierung zeichne mit Kathryn Rohweder eine Schleswig-Holsteinerin verantwortlich, bei ihr in Hohenwestedt wurde auch geprobt. Und zur Auswahl der Texte habe man sich am Strand von St. Peter Ording getroffen."

"Kriterium ist dabei auch der gegenwärtige Zustand der Welt gewesen. "Tucholsky ist brandaktuell", sagt Wegscheider. Als Beispiel nennt er den Text "Abends nach sechs", in dem es um Neid und Stress am Arbeitsplatz geht. Das aktuelle Stichwort "Mobbing" ist da nicht weit. Vor allem durch "das Kritische" in seinen Werken fühlt sich Wegscheider zu Tucholsky "sehr hingezogen". "Mir gefällt dabei, dass er nicht nur anklagt, sondern die Menschen auch anregt umzudenken", erklärt der Schauspieler."

"Kriegsdreck" und Nationalwahn, die Suche nach Glück, die Leere, das Verlangen, die Lust, die Freiheit - die "Kurt Kompakt" hat denn auch jede Menge Stoff zum Reflektieren für Herrn Löwe parat. Und für das Publikum in Lütjenburg.

Text: Jacobs
Kieler Nachrichten vom 27.10.2008
 
Galerie 2ter Blick - Marc Richter, Galerie - Kunsthandel, Lütjenburg
Kleiner Kulturkreis Lütjenburg und Umgebung e.V. - info@kleiner-kulturkreis.de