Kleiner Kulturkreis Lütjenburg
 
Nachlese 2009
 
 
Noch Schmerzen?
Dann lachen sie sich gesund!


Als Saisonauftakt des Kleiner Kulturkreises Lütjenburg gastierte am Sonntag, dem 15. Februar in der "Alten Schmiede" in Lütjenburg das Kabarett Ranz & May mit dem ihrem neuen Programm.

Die beiden Kabarettisten Michael Ranz und Edgar May begeistern seit zehn Jahren als ein eingespieltes Team. Mit acht Programmen touren die beiden Potsdamer seither mit wachsendem Erfolg durch Deutschland und sind schon lange kein Geheimtipp mehr.

Wem Lachen “weh tut“ der sollte um diese Vorstellung eine weiten Bogen machen.


Mal sehr sarkastisch und dann wieder liebevoll wird sich der Krankheitsszene angenommen. Bei so mancher Lachträne, könnte man wirklich das Heulen anfangen, denn jeder findet sich in der einen oder anderen Krankheit wieder. Den krank sein ist „In“ und mega-trendy, mit einer einfachen Grippe reißt man niemanden vom Hocker.

Heutzutage muss man schon eine Designer-Krankheit haben, um in der Gesellschaft angesehen zu sein. Unter Sars und Ebola geht gar nichts — auch Pocken sind voll Retro. Bald gibt es hoffentlich den Pizza-Service für Krankheiten oder man findet die geeignete Krankheit bei www. o gott ist mir komisch .de

So geht es weiter- in der Zeit der neuen Gesundheits-Reform muss man auf Gebiss- Charing zurückgreifen, denn mit Zähnen aus China läuft einem ja bei jedem Hund das Wasser im Mund zusammen. Die Brillen- Polonaise kennt auch jeder: ein Rentner mit Brille und zehn folgen ihm.

Hier wird auch gespart — die Blutdrucksenkenden Mittel werden ein zu eins mit Tic-Tac gemischt und in den dreißiger Jahren fangen alle Notrufnummern mit 0190 an …

Die beiden Spezialisten in Sachen Krankheiten und ihren Nebenwirkungen geben eine Anleitung „Selbstoperation für den Hausgebrauch“ und warum Frauen nicht zur Armee sollten. Nein, wehleidig sind die nicht — man denke nur ans Kinderkriegen. Aber stellen sie sich beim Morgen-Appell auf dem Kasernenhof vor — dreißig Frauen und alle haben das Gleiche an!

So geht man nach zwei Stunden erfolgreicher Diagnostik mit verkrampften Bauchmuskeln und rotgeränderten Augen missmutig nach Hause, weil man auch nach drei Zugaben, noch locker eine Stunde im Wartezimmer durchgehalten hätte.

Text: Michaela Weber
Lütjenburger Rundblick vom 25.02.2008
 
 
 
    Fotos: Marc Richter
“... Und ewig lockt das Weib“

„Folie à Deux“auch im Dialog mit Zuschauern


... Das Duo „Folieà Deux“ mit Dagmar Dreke (Schauspiel und Gesang) sowie Tatjana Petercol am Flügel war für ein offenes Wort unter den Anwesenden besonders gern zu haben.

Sie hangeln sich, in festlicher Garderobe, von Mutters besten Wünschen für den Sohnemann bis hin zu den geheimsten Fantasien der „Grande Dame“ und tischen dem Saal so manch erotischen Schmankerl auf, vertreten selbstbewusst die Meinung „Frauen machen mit den Männern, alles, was sie wollen“, geben aber offen zu: „Frauen tragen in ihren Herzen diese läppische Idee“ (die sich Ehe nennt).

Liebe, wo sie denn zur Sprache kommt, wird klug pointiert, aber nicht sehr wohlwollend auf die Schippe genommen. Der begeisterte Applaus, der so manches Mal auch dem überraschten Entsetzen entspringt, spricht Bände.

Ein einzelner Herr wagt den Zwischenruf „Bravo“, als Dagmar Dreke einen „Beziehungsratgeber“ zitiert, der der Frau „bedingungslose Unterwerfung“ als Rezept einer glücklichen Ehe empfiehlt. Die Sängerin kontert mit: „Ihr, die ihr in die Ehe einziehet, lasset alle Hoffnung fahren“.

Als willkommene Hilfsmittel zitieren die beiden Verse bekannter Autoren wie Heinrich Heine und Bertolt Brecht. Schmettern kokette Chansons von Helen Vita, und sogar der italienische Dichter und Philosoph, Dante (Alighieri), wird mit Gedanken aus seiner berühmten „Göttlichen Komödie“ auf die Bühne gezerrt.

Text: Jessica Bunjes
Kieler Nachrichten vom 24.03.2008
 
 
 
    Fotos: Marc Richter
„Mord im Apfelbaum“-
Ein Insekten-Krimi in Miniaturformat


Wer den Schweizer Prof. Dr. Urs Wyss schon einmal bei einer Präsentation seiner Werke erlebt hatte, freute sich im Vorfeld auf einen spannenden Abend. In der Region und in Lütjenburg hat er schon eine Fangemeinde. Die Veranstaltung in der Raiffeisenbank, präsentiert vom „Kleinen Kulturkreis Lütjenburg“, war bis auf den letzten Platz mit begeisterten Zuhörern gefüllt. Aber auch neue Interessierte, die nicht so richtig wussten, was auf sie zukommt, sahen mit „Mord im Apfelbaum“- das Leben und Sterben der Insekten - einen ganz besonderen Film.

Eine Arbeit von drei Jahren, die in 62 Minuten den Mikrokosmos mit einem Stereomikroskop zeigt. Insekten in ihrer (fast) natürlichen Umgebung: den Zweigen, Blättern und Blüten eines Apfelbaums, die ihnen der Professor im Labor vorbereitet hat. Eine verborgene Welt, die der Betrachter in der Natur nur an den Schäden erkennt, die diese kleinen Quälgeister im Baum hinterlassen. Vertrocknete Blüten, abgefressene Blätter und Spinnenweben, die fast den ganzen Baum umhüllen.

Aber welche Persönlichkeiten stecken dahinter? Diese Fragen beantwortet Prof. Dr. Wyss in seinem Schweizer-Deutsch mit Witz, Charme und viel Situationskomik. Angefangen vom Leben der winzigen Blattläuse, ihr schlüpfen aus den Eiern und ihren natürlichen Feinden, wie z.B. den artenreichen und wunderschönen Marienkäfern. „Blattläuse sind ziemlich blöd, die laufen nicht weg, wenn ein Feind angreift. Oder wenn ihr Auto nach einer Nacht unterm Baum klebt, ist das vom Honigsaft, den Blattläuse produzieren. Sie hassen ihren eigenen Saft und schleudern den Safttropfen in einer unglaublichen Geschwindigkeit von sich. Da wird einem schon vom Hinschauen schwindelig“, so der Professor.

Kopfschüttelnd erklärte er, wie die Schlupfwespe ihr Ei in die Blattlaus legt und sie so langsam mumifiziert, „Das ist kein schöner Tod.“ Dann die Geschichte vom Apfelblütenstecher, der als Rüsselkäfer Gänge für seine Eier in die jungen Blüten bohrt. „Das ist für die Larven dann wie Eiscreme, eine Proteinbombe und uns bleiben die vertrockneten Blüten am Baum“, erklärt der Professor.

Ein besonderer Höhepunkt am Schluss war die Larve der Schlangenminiermotte, die sich als Schutz eine kunstvolle Hängematte spinnt. Leider wird diese Röhre von einer Schlupfwespe überwunden und es wartet ein tragischer Tod auf die schlaue Architektin. Insekten als räuberische und kriminelle Burschen. Infos: www.entofilm.com

Text und Foto:
Michaela Weber - Lütjenburger Rundblick
Prof. Dr. Urs Wyss: Das ist Paul, eine weiße Fliege und sie hat es nicht leicht.
„Jugend musiziert“ verzaubert

Der Zauber der Musik wurde mit einem Konzert der Landes-Preisträger Schleswig-Holstein von „Jugend musiziert“ 2009 nun auch nach Lütjenburg getragen. Im großen Saal von „Uns Huus“ wurde Ende April von den jungen leidenschaftlichen Musikern ein anspruchsvolles Klassik-Programm geboten, das sich hören lassen konnte und den Beifall der vielen Zuhörer fand.

Ann-Sophie Meyer, Querflöte und Christian Zieschang am Klavier waren unter anderem mit der Donizetti Sonate für Flöte und Piano zu hören. Die Bundessiegerin 2008 Christine Roider interpretierte Johann Sebastian Bach mit dem Violoncello und begeisterte dann gemeinsam mit Marina Dethlefsen am Klavier die Zuhörer mit Rokoko-Variationen von Peter Tschaikowski. Vor der Pause noch ein musikalisches Highlight: Linnea Benson und Junis Edris spielen vierhändig am Klavier.

Ein weiteres musikalisches Feuerwerk gab es am Klavier vierhändig auch von Rahel Reimer und Christian Zieschang zu hören und mit Mozart von Laura Koroliuk, Violine, und Junis Edris am Klavier klang der Abend aus, zu dem der Kleine Kulturkreis Lütjenburg besonders erfolgreich eingeladen hatte.

Die Freunde schöner Musik konnten die jugendliche Hingabe und die besondere Begabung der jungen Landes-Preisträger bewundern, die sich auch vor dem Konzertabend noch einmal zu einem Gemeinschaftsphoto zusammenfanden.

Text: Rainer Runge - Lütjenburger Rundblick
 
 
 
    Fotos: Marc Richter
Ehrwürdige Musik mit ausgelassen britischer Note

Panker - In eine vormalige Welt höfischer Musik wurden zahlreiche Zuhörer am Freitagabend in der Schlosskapelle Panker zurückversetzt. Ort des Geschehens war der englische Hof zu Zeiten der Königin Elisabeth I. sowie des Königs Georg II., bei dem Georg Friedrich Händel einst als Hofkomponist in majestätischen Diensten stand."

Das Buxtehude-Ensemble, bestehend aus einer aparten Besetzung mit Elisabeth Schwanda und Ralf Popken (Blockflöte), der zusätzlich noch als Altus auftrat, Irmelin Heiseke (Viola da gamba) sowie Ulrich Wedemeier (Laute), brachte diese ehrwürdige und selten gehörte Musik zum Erklingen. Zunächst eine reizvolle Sonata in imitatio of Birds des 1701 verstorbenen Komponisten mit dem kuriosen Namen Williams Williams, gefolgt von dem berühmten, jedoch lediglich anonym überlieferten Lied Greensleeves sowie einem virtuos-trinkfesten Kabinettstückchen, was dem hochprozentigen Scotch gewidmet war und von einer Sopranino-Blockflöte heiter zu Gehör gebracht wurde. Zu der innig-flüsternden, achtzehnsaitigen Laute mit ihren sechs langen Bass-Saiten gesellte sich der fragile Klang der zart intonierenden, siebensaitigen Viola da gamba hinzu und beide entfachten zusammen mit den beiden Blockflöten in der Kapelle einen bezaubernd-intimen Klang gediegener Eleganz. Händels zu Herzen gehende Kantate Mi palpita il cor mit Ralf Popkens meisterlich gehandhabter Alt-Stimme war unverkennbar Höhepunkt vor der Pause.

Noch einige Jahre zurück ging das Buxtehude-Ensemble mit Opernmusik von Henry Purcell - einer Chaconne aus der Oper Diolesian - sowie mit drei todessehnsüchtigen und der Königin huldigenden Lautenliedern, welche Popken intonierte und Ulrich Wedemeier mit seiner hell-klingenden Knickhalslaute begleitete."

Das atmosphärisch wie auch musikalisch gelungene Konzert ging ausgelassen britisch zu Ende mit Stücken aus der Oper King Arthur von Purcell, das letzte mit einem burschikosen, von allen Künstlern gesungenem, bierseligem Quartett, sowie der Zugabe von Rule Britannia! von Thomas Augustine Arne, der heimlichen Nationalhymne Englands.

Text: Dr. Werner Bodendorff
 
    Fotos: Marc Richter
20 Jahre Kleiner Kulturkreis Lütjenburg und Umgebung e.V.
Kulturelles im Herzen
20 Jahre Kleiner Kulturkreis Lütjenburg e.V.: ein denkwürdiger Anlass für den Kleinen Kulturkreis Lütjenburg e.V., der in der Gutsscheune in Helmstorf gebührend gefeiert wurde. Vereinsvorsitzende Ilse Allwardt, die schon zu Beginn des Jahres vom Bürgermeister Lothar Ocker für 20 Jahre Förderung der Kultur geehrt wurde, stand Lütjenburger-Rundblick Mitarbeiterin Michaela Weber Rede und Antwort und erzählte, wie aus einer Idee eine feste Institution für Lütjenburg und Umgebung wurde.

Eine Marktlücke wird gefüllt
Was aus dem Bauch heraus begann, ist heute nicht mehr aus Lütjenburg wegzudenken: lIse Allwardt blickt auf 20 Jahre künstlerische Veranstaltungen und ihre Arbeit im Vorstand und verrät: „Angefangen hat es 1988 mit einem Konzert junger Künstler der Kreismusikschule Plön, die gerade von einer Konzertreise aus Polen zurückkehrten. Mit der Unterstützung der Sparkasse fand diese Spontanaktion im Gemeindehaus der evangelischen Kirche statt und damals ahnte noch niemand, dass diesem kleinen Event noch viele Große folgen würden.“

Damals wurde der Grundstein gelegt für viele Lesungen, Konzerte und Theateraufführungen. Doch schell merkte Ilse Allwardt und die Mitglieder des Freundeskreises, dass es ohne Vereinshintergrund nicht geht: „So ein Projekt muss eine gute Struktur haben“, weiß sie heute.

Die Gründung des Kulturkreises wurde angeschoben und im Mai 1989 war es dann soweit. Der ordentliche, gemeinnützige Verein mit Satzung: „Kleiner Kulturkreis Lütjenburg und Umgebung e.V.“ wurde in der „Alten Schmiede“, dem heutigen Kulturzentrum, aus der Taufe gehoben. Ilse Allwardt erinnert sich: „Zu Beginn hatten wir 18 Mitgliedern und die machten sich auf, eine im Raum Lütjenburg bestehende kulturelle „Marktlücke“ zu füllen.“

Ein facettenreiches Angebot
Durch Unterstützung verschiedener Institutionen und mit stetig wachsender Mitgliederzahl veranstaltete der Kulturkreis Lesungen und Konzerte. Um die Kosten niedrig zu halten, wurden viele freundschaftliche Kontakte genutzt und es konnte die ersten namhaften Kunstgrößen nach Lütjenburg „gelockt“ werden. Dazu Ilse Allwardt: „Sie kamen gern in die kultur-offene Kleinstadt. Eine persönliche Betreuung und ein nettes Ambiente bei der Unterbringung ließen uns auf einen zweiten Besuch hoffen. Im Laufe der Jahre umfasste die Bandbreite unserer Veranstaltungen viele unterschiedliche Stilrichtungen: Volksmusik, plattdeutsche Lesungen mit Prof. Bull, das Landesjugendjazzorchester, Hans Scheibners Kabarett, um nur einige zu nennen. Aber in so einem Kulturkreis dürfen auch gemeinsame Unternehmungen nicht fehlen. Um den Kontakt der Mitglieder untereinander zu fördern, veranstalteten wir Fahrten, Besichtigungen und Tafelmusiken.“

„Die tun dir nichts – die wollen bloß spielen“
Am Samstag, 4.Juli war es dann soweit: Die Jubiläumsveranstaltung des „Kleinen Kulturkreis Lütjenburg und Umgebung e.V.“ lockte nicht nur Mitglieder des Vereins in die Gutsscheune Helmstorf. Um 18 Uhr eröffnet Wolfgang Sieg den Reigen mit satirischen und humoristischen Alltagsgeschichten. Er wurde bekannt als Kolumnist der Satirezeitschrift Pardon, als Autor von satirischen Glossen und Kurzgeschichten und als Mitarbeiter der Sendereihe „Hör mal`n beten to" im Radioprogramm des Norddeutschen Rundfunk. In der Gutsscheune ging es an diesem Abend um „schräge Vögel“, wie uns Musik zum Einkaufen unnützer Dinge verleitet und es wurde die Frage erörtert, warum es im Grillimbiss keinen Döner gibt.

Im Anschluss gratulierte Dirk Sohn, als Stellvertreter von Bürgermeister Ocker im Namen der Stadt Lütjenburg zum Jubiläum und zwischendurch lauschten die Zuhörer immer wieder dem Ensemble Rhythm & Voice Connection mit dem Leiter Torsten Allwardt und der Präsentation des neuen Programms unter dem Titel „Jazz it up" – einem Ohrenschmaus der Extraklasse. Durch die Kombination von Chor- und Band, der Freude, dem Spaß am Singen und den exzellenten Solisten wurde mit viel Spontaneität und Improvisation, das Publikum mit einbezogen. Weiterer Programmpunkt war die Scheckübergabe: Lars Nissen aus dem Vorstand der neu fusionierten VR Bank Ostholstein Nord-Plön e. G. überreichte Ilse Allwardt einen Scheck über 1000 Euro. „Eine Spende, die zu den Mitgliedsbeiträgen hilft, durch das vielfältige Angebot an Veranstaltungen der Region Lütjenburg ein zusätzliches Stück Lebensqualität zu geben. Aber wir brauchen immer neue Mitglieder um das kulturelle Rad am Laufen zu halten“, schloss Ilse Allwardt.

Text & Foto ob.li.: Michaela Weber
Lütjenburger Rundblick
 
Fotos: Marc Richter
 
 
„BallinStadt“ – Auswanderermuseum in Hamburg

Bei sehr freundlichem Reisewetter mit einem Sonne-Wolken-Mix verband der Ausflug am 16.Mai 2009 nach Hamburg in das Auswanderermuseum mit anschließendem Besuch der „HafenCity“, auf eindrucksvolle Weise kulturgeschichtliche Vergangenheit mit futuristischer Architektur moderner Lebenswelt.
Dem „port of dreams“ als Ausgangspunkt für rund 5 Millionen Menschen auf dem Weg nach Amerika stand den Teilnehmern die größte Baustelle Europas mit avantgardistischer Architektur zum Vergleich gegenüber.

Wie so oft hätte man auch dieses Mal viel mehr Zeit darauf verwenden können, Gesehenes und Gehörtes noch intensiver aufzunehmen. Leider wurden unsere zeitlichen Planungen zusätzlich noch etwas durch unvorhergesehene Ereignisse beeinträchtigt. Gut gelaunt warteten wir leider fast 40 Minuten vergeblich auf die gebuchte Gästeführerin, die uns vor Abfahrt mit der Barkasse Richtung Veddel etwas über die Hinter- und Beweggründe der Auswanderer erläutern sollte. Mit lobenswerter Geduld ertrugen die Teilnehmer diese Wartezeit. Schließlich bestiegen wir ohne diese Gästeführerin (sie war mit einer Reifenpanne auf der Autobahn liegengeblieben ) die Barkasse, die uns von den St. Pauli Landungsbrücken hinüber zur Elbinsel Veddel brachte. Während der gut halbstündigen Überfahrt versorgte uns der Barkassenführer, ein „waschechter Hamburger Jung“, mit Schnacks, Bonbons und auch Informationen über den Hamburger Hafen.

Im Erlebnismuseum angekommen übernahm eine sehr kompetente, engagierte Museumsführerin nicht nur ihren vereinbarten „Part“, sondern auch teilweise den ihrer verhinderten Kollegin. Es folgte eine sehr ausführliche Begleitung und Kommentierung beim Rundgang durch originalgetreu konstruierte Wohn- und Schlafgebäude, ergänzt durch Erlebnisschilderungen ihrer eigenen Auswandererzeit.

Leider blieb nur wenig Zeit für einen individuellen Rundgang, so dass der interaktive Ausstellungsbereich mit persönlichen Beweggründen, Hoffnungen und Enttäuschungen der ehemaligen Auswanderer viel zu kurz kam.

Als die Barkasse dann auf der Rücktour entlang des HafenCity Geländes in greifbare Nähe des tags zuvor getauften Kreuzfahrers „Mein Schiff“ gelangte, kam es manchem Besucher vor wie ein Brückenschlag zwischen Vergangenheit und Zukunft.

In unmittelbarer Nachbarschaft der seit 1997 im Aufbau befindlichen „HafenCity“ liegt die „Speicherstadt“. Sie verkörpert mehr als 110 Jahre Hafen- und Handelsgeschichte mit z.Zt. 9 Attraktionen, Museen und Dauerausstellungen hinter malerischen Backsteinfassaden an den Fleets.

Die Besucher waren sich einig: dieser Ausflug konnte nur ein „Appetitanreger“ für weitere private Besuche sein – ein Grund wiederzukommen, zu schauen, zu genießen. Der „Kleine Kulturkreis“ bedankt sich nochmals herzlich für Geduld und Verständnis bei unvorhersehbaren Pannen, entgegengebrachtes Interesse und besonders für den Verzicht der „Schmerzensgeldspende“ von 50,- € seitens der verhinderten Gästeführerin. So profitierte selbst die Vereinskasse von dem Ausflug. J.N.-S.
 
 
 
Vorfreude auf die Pointe

Hohwacht – „Das hat viel Spaß gemacht. Auch dem Autor selbst, das war deutlich zu spüren“, war sich Thomas Nathusius nach der knapp zweistündigen Lesung des für seinewitzigen Geschichten bekannten Wladimir Kaminer in Hohwacht sicher. Da sei nichtsGekünsteltes gewesen, oft habe man in seinen Augen schon bei der Auswahl der Stücke die Vorfreude auf die Pointe blitzen sehen, meinte Nathusius, der schon etliche seiner Bücher gelesen habe, „aber ihn live zu erleben, ist eben etwas ganz anderes“.

Nach dem langen Schlussapplaus und den meist fröhlichen Gesichtern der rund 200 Zuhörer im voll besetzten Tagungssaal des Hotels „Hohe Wacht“ zu urteilen, schien die Lesung des Autors sehr gut angekommen zu sein, auch wenn etliche Besucher etwas Mühe hatten, sich in den doch stark ausgeprägten russischen Akzent hineinzuhören, um auch jedes einzelne Wort zu verstehen. Denn der 1967 in Moskau geborene Kaminer, der 1990 nach Berlin zog und sieben Jahre später eher zufällig zum Schiftsteller avancierte, versteht es ausgezeichnet, mit Wörtern zu spielen und sie in einen oft überraschenden Zusammenhang zu stellen.

Zwar sollte der Abend seinem erst kürzlich erschienenen Buch „Es gab keinen Sex im Sozialismus“ gewidmet sein, doch mit Einverständnis des Publikums mischte der Künstler auch Geschichten aus „Helden des Alltags“ oder „Mein deutsches Dschungelbuch“ darunter und würzte alles mit gestenreichen Erlebnisberichten aus dem Kaukasus, der Heimat seiner Frau Olga, aus dem er erst vor wenigen Tagen nach Familienbesuch und Dreharbeiten für einen Film zurückgekehrt ist.

Erfrischend auch seine Parallelen, die er immer wieder zwischen dem Leben im „kapitalistischen Westen“ und in der früheren Sowjetunion zieht, in der offenbar noch Vieles beim Alten geblieben ist. So konnte er sich in einer noch nicht veröffentlichten Geschichte ebenso wie das Publikum daran erheitern, wie unterschiedlich in beiden Kulturen doch der Weg zum Glück ist. „Im Kaukasus ist das ganz einfach: Du kaufst eine schwarze, eher unansehnliche Wurzel, die eine selbst ernannte Apothekerin im Kiosk einer Poststelle als Glückswurzel anbietet. Im kapitalistischen Westen ist der Weg zum Glück dagegen viel, viel umständlicher ...“

Text: Anne Gothsch, Kieler Nachrichten
Konrad Hansens „ Kinder der Meerfrau“

Am Sonntag den 29.10.2009 stellte Konrad Hansen sein neuestes Buch „Die Kinder der Meerfrau“ vor. Er war vom Kleinen Kulturkreis Lütjenburg eingeladen worden, um aus der historischen Familiensaga im „Genueser Schiff“ in Hohwacht zu lesen und die Zuhörer auf besondere Art zu fesseln, denn im kleinen Saal hatten etwa 70 Zuhörer der Story einen tollen Blick aufs Meer. „Ich habe noch nie an einem Platz gelesen mit einem Blick wie hier“, so der Schriftsteller.

Die Geschehnisse aus dem Fischer- und Seefahrermilieu des 18. Jahrhunderts behandeln zwei große Themenbereiche, die aufs Engste mit der schleswig-holsteinischen Geschichte verknüpft sind: der Walfang in der Grönlandsee und der Sklavenhandel. „Konrad Hansens Roman breitet ein faszinierendes Panorama des 18. Jahrhunderts aus, erzählt lebendig vom rauen Dasein an der Küste und auf dem Meer, vom Walfang, von Glücksrittern und kühl kalkulierenden Kaufleuten, vom Sklavenhandel und dessen Profiteuren“, so der Hoffmann und Campe Verlag, wo der Roman erschienen ist.

Mit der für Konrad Hansen typischen Mischung aus historisch gesicherter Phantasie und schwarzem Humor schilderte er die unmenschlichen Bedingungen vergangener Tage …

Text: Rainer Runge - Lütjenburger Rundblick
 
 
    Fotos: Marc Richter
Ensemble Tityre
"Ich will leben, wenn man meine Texte liest ..."

Samstag, den 21. November 2009
Lütjenburger ließen sich aus dem Stamm-Buch vorlesen
Schweizer Schriftsteller begeisterte seine Zuhörer aus der Holsteinischen Schweiz, am Mittwoch den 02. Dezember 2009

Hätte Peter Stamm aus seinem neuen Buch „Sieben Jahre“ in Lütjenburg nur aus der ersten Phase vorgelesen, wäre ihm von kritischen Zuhörern sicher das Etikett „Macho-Schreiber“ angeheftet worden.

Aber er hatte für seinen Besuch beim Kleinen Kulturkreis auch Hörproben weiterer Zeitsprünge von jeweils sieben Jahren vorbereitet, so dass der Schweizer Schriftsteller schnell das Publikum mit seiner „Etüde über das menschliche Paarungsverhalten“ (so ein Titel der ZEIT) überzeugen konnte.

Als Thema für seinen Roman hatte der 46-Jährige eine Dreiecksgeschichte – Mann zwischen zwei Frauen – gewählt. Das entpuppte sich aber für den unbelasteten Zuhörer nur im ersten Moment als scheinbar trivial und abgegriffen. Peter Stamm widmete sich in seiner schnörkellosen Sprache allerdings derart sachlich, gelegentlich sogar spröde den handelnden Personen, dass er allein schon durch diesen für ihn charakteristischen Schreibstil Interesse weckte. Kein Zweifel: Hier hatte sich ein ebenso erfahrener wie emotional zurückhaltender, gelegentlich auch melancholischer Beobachter in die Persönlichkeiten des Münchner seiner Protagonisten hineingelebt: Des Studenten und späteren Architekten sowie der beiden Frauen in seinem Leben, seiner schönen Kollegin/Ehefrau Sonja auf der einen und der unattraktiven Geliebten Iwana aus Polen auf der anderen Seite.

Für die Zuhörer der Lesung im ausverkauften Kulturzentrum „Alte Schmiede“ ging es nicht nur darum, aus berufenem Mund ein neues Buch möglicherweise als geeignetes Weihnachtsgeschenk empfohlen zu bekommen. Sie konnten es vielmehr kaum erwarten, mit dem erfolgreichen Schriftsteller ins Gespräch zu kommen und die Chance zu nutzen, ihn mit Fragen zum Roman, aber auch zu seiner Arbeits- und Sichtweise zu löchern.

Und tatsächlich überraschte Peter Stamm nicht nur mit seiner Bereitschaft, quasi „auf Tuchfühlung“ zu gehen, sondern auch mit seinen offenen Antworten. München kenne er eigentlich nicht besonders gut. Trotzdem habe er die Handlung gerade hier angesiedelt, weil er selbst bei seinen Recherchen die Chance nutzen wollte, immer Neues zu entdecken. Die Persönlichkeit des Alex habe er bewusst als weich und formbar angelegt. „Das ist doch viel spannender, weil dessen Entwicklung nicht vorhersehbar ist und Überraschungsmomente bietet“, verriet er seinem Publikum.

Text: Peter Braune
Kieler Nachrichten vom 5. Dezember 2009
 
    Fotos: Marc Richter
Ganztägiger Ausflug am 5. Dezember 2009
zur Kunstsammlung NRW-K20 - Schätze einer großen Epoche -


Rund 40 Mitglieder des Kleinen Kulturkreises nahmen das Angebot von Frau Neumann-Schwarz an,die Kunstsammlung NRW-K20, die vorübergehend in Schleswig zu bestaunen war, zu besuchen. 61 Meisterwerke moderner Kunst der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts mussten wegen umfangreicher Bauarbeiten am Museum in Düsseldorf ausgelagert werden und waren Dank guter Kontakte zum Schloss Gottorf im Reitstall zu sehen. Mit einer sehr sachkundigen Führung bewunderten und bestaunten die Reiseteilnehmer Werke von Beckmann, Klee, Picasso, Matisse, Marc etc.

Eine weitere interessante Ausstellung, jenseite der eingetretenen Pfade,präsentierte die Triennale des norddeutschen Kunsthandwerks im Obergeschoss des Kreuzstalles. Die Jury dieser Ausstellung hatte auf neue Impulse gesetzt: "Wir wollten das Experimentelle zeigen und jenen ein Forum geben, die etwas wagen. "Es waren 78 Künstlerinnen und Künstler aus Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen,Bremen und Hamburg vertreten Mit Keramik, Schmuck, Textilien und Möbeln waren alle traditionellen Gewerke vertreten und luden ein, Unerhörtes zu entdecken.

Am Nachmittag konnten sich die Reiseteilnehmer auf dem Weihnachtsmarkt im Schwahl/Schleswiger Dom stärken und kleine Mitbringsel kaufen. Sehr erfüllt, zufrieden und vielleicht auch erschöpft bestieg man den Bus und fuhr zurück nach Lütjenburg.

Unser Dank für diesen Ausflug gebührt Frau Neumann-Schwarz, die alles sehr gut vorbereitet hatte.
Galerie 2ter Blick - Marc Richter, Galerie - Kunsthandel, Lütjenburg
Kleiner Kulturkreis Lütjenburg und Umgebung e.V. - info@kleiner-kulturkreis.de