Kleiner Kulturkreis Lütjenburg
Nachlese 2010
Kabarett mit Appetit auf mehr

Lütjenburg - Das Programm machte Appetit. "Iss wenigstens das Fleisch" lautete der Titel eines Kabaretts, mit dem Michael Ranz und Edgar May am Sonnabend in Lütjenburg gastierten. Und tatsächlich: Nach einer leichten Vorspeise wurde die kulturelle Esslust im Laufe des Abends immer größer."

"Schummriges Licht lullte die gut 100 Besucher ein, die im Saal von "Uns Huus" auf den kulinarischen Auftritt warteten. Zahlreiche Tische mit kleinen Stehlampen sorgten für eine heimelige Atmosphäre und weckten Genüsse. Auf der Bühne ging es zunächst mit kleinen Schmankerln appetitanregend auf eine leichte kulinarische, später dann auf eine deftige, mitunter auch politisch-kritische Reise. Michael Ranz schlüpfte in verschiedene Rollen, wie die des Sachsen, der sich in einem angesagten Berliner Restaurant in der Speisekarte verirrt. "Da bringt die mir Löwenzahn", entrüstet sich der Ossi, als er bei "Rucola" eine Art "Russencola" erwartet. Auch der rohe Fisch lässt den Sachsen mit den Ohren schlackern: "Hätte es Sushi in der DDR gegeben, hätten wir nicht bis '89 gewartet, um auf die Straße zu gehen.""

"Weitere Rollen gehen ins Eingemachte: Der Schwule propagiert Pfunde auf den Hüften mit einem kräftigen Schuss Sprühsahne - pur und oral. Der Geistliche wirbt mit einer "Happy Hour" ("Zwei Sünden beichten, eine umsonst") und Sprüchen wie "Geist ist geil" für seine Kirche. Edgar May begleitet seinen Partner stets treffend und pointierend auf dem Keyboard. Dialoge untereinander ergeben sich: Wo steht die Wiege des guten Essens? Sind Kaffeetrinker kommunikativer als Teetrinker?"

"Seit elf Jahren arbeiten der gebürtige Brandenburger Ranz und der gebürtige Thüringer May zusammen. Neben dem kulinarischen Programm gibt es weitere wie "Mutti ist die Allerbeste" oder "Nackig", bei dem es um Moral und Todsünden geht. Gibt es geschmackliche Grenzen? "Wenn ich in Figuren schlüpfe, darf ich fast alles sagen", erklärt Michael Ranz die künstlerische Freiheit seines Kabaretts, das auch politisch Unkorrektes erlaubt.

Text: Nadine Schättler
Kieler Nachrichten vom 9. Februar 2010

 
 
  Fotos: Marc Richter
Aus dem Leben der berühmten Großtante

Lütjenburg - Von dieser Resonanz wurde das Organisations-Team im Kleinen Kulturkreis Lütjenburg selbst völlig überrascht. Bei der Lesung von Friedrich Dönhoff platzte das Kulturzentrum Alte Schmiede fast aus den Nähten."

"Der Großneffe von Marion Gräfin Dönhoff kam bei seinem Gastspiel schließlich seinem Publikum unerwartet nahe. Einige Besucher mussten nämlich sogar dicht neben ihm auf der Bühne einen Platz finden, nachdem alle Karten ausverkauft waren, der Zustrom von Besuchern immer noch nicht versiegte und niemand abgewiesen werden sollte."

"Gelohnt hat sich der Besuch dieser Veranstaltung trotz "drangvoller Enge". Der 43-jährige Schriftsteller aus Hamburg schilderte nämlich das politisch-intellektuelle Engagement der ehemaligen ZEIT-Herausgeberin. Dabei konzentrierte er sich darauf, persönliche Begebenheiten aus dem Leben seiner berühmten Großtante humorvoll zu schildern. In seinem Besteller "Die Welt ist so, wie man sie sieht" hat Friedrich Dönhoff Themen aufgearbeitet, über die er bei regelmäßigen Treffen mit der 2002 im Alter von 92 Jahren gestorbenen Verlegerin und Chefredakteurin intensiv gesprochen hatte."

"Herausgekommen ist dabei "ein Porträt, das sich durch Nähe und Bescheidenheit auszeichnet. Nichts Atemberaubendes, eher das Kleine und ganz Kleine", wie es ein Rezensent beschrieben hatte. So vermittelte der Schriftsteller seinen Zuhörern das Bild eines gläubigen, zuversichtlichen, sich beschützt fühlenden Menschen.

Text: Peter Braune
Erschienen: Kieler Nachrichten am 17.03.2010
 
 
 
    Fotos: Marc Richter
Wunderbares, reiches, spannendes Leben;
Volker Lechtenbrink las in Hohwacht aus seinem Buch - Erinnerungen an Höhen und Tiefen

Hohwacht/Lütjenburg. "Leben so, wie ich es mag. Leben spüren Tag für Tag", das war vor Jahren ein großer Hit. Und dieser Titel war und ist wohl auch bis heute das Credo von Volker Lechtenbrink. Davon überzeugte das fast 66-jährige Multitalent bei einer Lesung aus dem Buch "Gib die Dinge der Jugend mit Grazie auf! Mein Leben" im voll besetzten Saal des Hotels "Hohe Wacht" auf Einladung des Kleinen Kulturkreises Lütjenburg."

"Mit Menschen kann er umgehen. Das hat er nicht nur in den vergangenen 59 Jahren als Schauspieler und Sänger bewiesen. Auch sein Hohwachter Publikum hatte er schon nach den ersten Sätzen in seinen Bann gezogen. "Das Nordische liegt mir", verriet der Hamburger, der 1944 im ostpreußischen Cranz das Licht der Welt erblickt hatte, mit gewohnt sonorer Stimme. Noch immer habe er sein Reetdachhaus in Nordfriesland, wohin er sich gelegentlich zum Auftanken zurückziehen könne. Seinen lange gehegten Wunsch, Erinnerungen an das eigene Leben mit den vielen Höhen und auch Tiefen, an lieb gewonnene Kollegen und Vorbilder in der bewegten beruflichen Karriere aufzuschreiben, habe er allerdings in einem einsam gelegenen Haus in Südfrankreich verwirklicht."

"Dort hatte er genügend Muße, sich an den Start mit einer Sprecherrolle beim Rundfunk (als Siebenjähriger) und an die erste Rolle im preisgekrönten Film "Die Brücke" von Bernhard Wicki acht Jahre später zu erinnern. In Anekdoten und Hörproben aus seinem Buch brachte der schon vor Jahren in einem Porträt als "Bruder Leichtfuß" titulierte Schauspieler und Sänger, Intendant und Regisseur, Texter, Synchronsprecher und jetzt auch Autor den Zuhörern wichtige Etappen und Episoden seines, wie er selbst feststellt "wunderbaren, reichen, spannenden Lebens" nahe. Dazu gehören die immer noch harmonische Patchwork-Familie mit vier Ehen und drei Kindern ebenso wie die verschiedenen Preise und vor allem die Zusammenarbeit mit Kollegen wie Hans Lothar, Günter Neuze und Hildegard Knef, mit Peter Maffay, Kenny Rogers und Chris Christophersen, Robert de Niro und Anthony Quinn. Er verhehlte allerdings auch nicht, dass er stets engen Kontakt zu seinem Schutzengel gehabt hatte. Sonst hätte er wohl so manches Tief nicht heil überstanden.

Text: Peter Braune
Erschienen: Kieler Nachrichten am 17. Mai 2011
 
 
 
    Fotos: Marc Richter
Mendelssohn literarisch und musikalisch;
Emotionales "Portrait in Wort und Musik" im
gemütlichen Salon des Helmstorfer Herrenhauses

Helmstorf - Im hochherrschaftlichem Ambiente, so, wie einst in den literarisch-musikalischen Salons Wiens oder Berlins zu Beginn des 19. Jahrhunderts durften sich zahlreiche Zuhörer wähnen, als diese im Herrenhaus in Helmstorf einer nicht alltäglichen Darbietung lauschen durften. Der "Kleine Kulturkreis Lütjenburg und Umgebung" um Ilse Allwardt und Andrea Regina Voigt erhielt von der Gastgeber-Familie Magnus von Buchwald den Salon für ein emotionales "Portrait in Wort und Musik" über den Komponisten Felix Mendelssohn Bartholdy zur Verfügung gestellt."

"Clemens von Ramin rezitierte nach einer Würdigung des Komponisten einige aussagekräftige Briefe des jungen Felix über seinen Aufenthalt beim Dichterfürsten Johann Wolfgang von Goethe im Weimar oder las zahlreiche Erinnerungen und Notizen von Freunden und Bekannten wie dem Geiger Joseph Joachim, Robert Schumann und der Baronin Jenny von Gustedt vor."

"Zwischen den atmosphärisch gut platzierten Bezügen zu Mendelssohns Wesen und Denken musizierte das geschätzte Lübecker Duo Kalinowsky, wohinter sich die Pianistin Bella Kalinowska und der Bratscher Semjon Kalinowsky verbergen. Sie warteten hauptsächlich mit einigen berühmten Liedern ohne Worte aus den Opera 19, 38, 53 und 102 von Mendelssohn auf, die sie eigens für Viola und Klavier arrangiert hatten, aber auch ein Phantasiestück von Carl Reinecke, eine Romanze aus op. 22 von Clara Schumann und das Adagio aus der Feder von Felix' Schwester Fanny, welche sie stets mit warm-schmelzendem Ton und gefühlvollen Anschlag interpretierten. Bewegend auch der Schluss des in die Dunkelheit gehenden, überaus gelungenen Abends, als Clemens von Ramin unter trauermarschähnlichen Klängen des Klaviers den Nachruf Schumanns zum Tode seines Freundes Felix las und anschließend dessen Lied ohne Worte op. 62 Nr. 2 das letzte Wort erhielt.

Text: Werner Bodendorff
Erschienen: Kieler Nachrichten am 01.06.2010
 
 
    Fotos: Marc Richter
Ganztägige Kulturfahrt am 26.06.2010 nach Ratzeburg, Zarrentin am Schaalsee und zum Herrenhaus der Familie Bernstorff auf der Stintenburginsel

Bei strahlendblauem Himmel und sommerlichen Temperaturen fuhren wir zunächst zur Kirche St.Georg auf dem Berge in Ratzeburg, der ältesten Kirche des Lauenburger Landes. Von ihr aus wurden die umliegenden Pfarrkirchen und auch der Ratzeburger Dom gegründet.

Im Sommer des Jahres 1066 erhoben sich die Slawen erneut gegen die Sachsen, zerstörten die Kirche St.Georg auf dem Berge und das angebaute Kloster teilweise, nahmen den Benediktinerabt Ansverus und 18 Mönche gefangen und steinigten sie auf dem Rinsberg, einer Anhöhe über dem Ratzeburger See. Ansverus erlitt im Alter von nur 28 Jahren den Märtyrertod. Im Jahre 1147 wurde Ansverus von Papst Eugen III. heilig gesprochen und nach der Fertigstellung des Ratzeburger Domes wurden die Gebeine des Ansverus im Jahre 1170 in einer feierlichen Prozession in den Ratzeburger Dom überführt, wo sie bis heute ruhen.

Von dem Historiker Ingo Bubert erfuhern wir mehr über die Geschichte des Domes und seine Besonderheiten.Die in verschiedenen Rottönen gebrannten Backsteine geben dem Innenraum des Domes ein einheitliches, aber auch vielfältiges Aussehen. In einer kurzen Einführung machte Herr Bubert auf die Besonderheit der Kirche von Zarrentin ,der geschnitzten Holzkanzel,aufmerksam.

Nach einer Mittagspause informierte uns der Gästeführer Herr Lack sehr engagiert und aufschlussreich über die Geschichte des Zisterzienser Nonnenkloster von Zarrentin, das im Zuge der Säkularisation im Jahre 1552 aufgelöst wurde und danach wurde es u.a. als Kornspeicher, Brauerei, Amtsgericht, Jugendherberge, Wohnhaus, Bibliothek und Heimatstube genutzt.Heute ist das Kloster der Mittelpunkt in der Schaalseeregionfür kulturelle, gesellschaftliche und didaktisch geprägte Veranstaltungen.

Im Park vor dem Schloss Stintenburg erfuhren wir mehr über das Schicksal des Albrecht von Bernstorff,einer herausragenden Persönlichkeit der Familie von Bernstorff, der Ende April 1945 von den Nazis erschossen wurde, weil er dem Widerstand von 20.Juli zugerechnet wurde. So beschreiben Ernst Kantorowicz in „Der Gastfreund“ und Marion Dönhoff in „De Nobilitate“ die Persönlichkeit Albrechts von Bernstorff.

In der Patronatskirche von Lassahn erzählte der bereits pensionierte Pastor Helms, der auch im Ruhestand seinen kirchlichen Diensten nachgeht, weil sonst die Gemeinde keine Gottesdienste mehr hätte, von dem lebendigen Miteinander seiner Gemeinde, die nur aus 150 Mitgliedern besteht.

Die Dorfkirche in Lassahn ist mit ihrer Feldsteinsakristei (13. Jahrhundert) und ihren Fachwerkanbauten (17./18. Jahrhundert) eine weitere Sehenswürdigkeit der Region. Der Besuch dieser Kirche und die Begegnung mit Herrn Helms bildeten einen berührenden Abschluss dieser Kulturfahrt.
   
   
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Ganztägige Kulturfahrt nach Flensburg
und zum Schloss Glücksburg mit Rosarium
am Samstag, 17. Juli 2010

Unsere Entdeckungstour durch Flensburg begann mit der Stadtführung Höfe, Rum und alte Schiffe. Wir lernten die nördliche Altstadt kennen, erkundeten den Museumshafen und seine Höhepunkte, stiegen auf die Duborg-Höhe hinauf, entdecken die historischen Kaufmannshöfe entlang der Fußgängerzone und schauten uns das Rumhaus Johannsen an. Anschließend erkundeten wir Flensburg auf eigene Faust und jeder sammelte seine eigenen Eindrücke.

Weiter ging es zum Wasserschloss Glücksburg, das zu den bedeutendsten Schlossanlagen in Nordeuropa gehört. Erbaut wurde es 1582-1587 im Auftrag von Herzog Johann dem Jüngeren. Auch heute noch wird das Schloss Glücksburg häufig als die Wiege der europäischen Königshäuser bezeichnet. Im Schlosskeller aßen wir zu Mittag und erlebten danach eine Führung durch das Schloss. Die Führung wurde von den Vorbereitungen einiger Hochzeiten begleitet, die an diesem Tag im Schloss gefeiert wurden.

Im Schlosspark befindet sich die ehemalige Schlossgärtnerei - das Rosarium. Hier gibt es über 500 Arten von englischen, historischen, modernen, Wild- und Kletterrosen zu bewundern. Die Gelegenheit, die Rosen zu bewundern wurde wohl nicht von allen wahrgenommen, da es zu regnen begonnen hatte und mancher die Gelegenheit nutzte, um ausgiebig bei Kaffee und Kuchen zu plaudern.

Es war ein gelungener Tag, der Lust auf mehr Kulturfahrten macht …
 
 
 
Aparte Besetzung mit sinnlicher Klang-Aura
Münchner Gitarrentrio zu Gast in der Schlosskapelle

Panker. Einen zarten Hauch von SHMF-Atmosphäre mit der Möglichkeit, unter lächelndem Himmel mit einem Glas Wein sich auf das Konzert einzustimmen, verspürten die zahlreichen Besucher, die sich am Dienstag zu einem Konzert begaben, das der „Kleine Kulturkreis Lütjenburg“ in der Schlosskapelle zu Panker veranstaltete. Dieser konnte das „Münchner Gitarrentrio“ mit Alexander Leidolph, Thomas Etschmann und Michail Antropow gewinnen, die sich quer durch die tönende Musikgeschichte zupften. Antonio Vivaldis Konzert für Mandoline und Streicher D-Dur übte als erstes Werk trotz ungewöhnlicher, auf drei Instrumente reduzierter Besetzung einen sinnlichen Reiz aus, wobei sie insbesondere im langsamen Satz eine wundersame Klang-Aura zauberten, die in der Kirche aufs Angenehmste widerhallte. Nach Introduction und einem feurig gespielten Fandango aus der Feder von Luigi Boccherini erklang die bestens auf die drei Gitarren abgestimmte, rassig interpretierte Carmen-Suite von Georges Bizet. Moderne, aber keineswegs schräge Harmonien mit mitreißenden Anklängen des Tango nuevo erwarteten die Zuhörer mit Fin de Siglo von Maximo Diego Pujot.

Nach der ausgiebigen Pause stellten die drei Künstler mit Filippo Gragnanis Trio für drei Gitarren ein selten gehörtes Werk für diese aparte Besetzung vor, das im Stile Joseph Haydns eine zart-duftige Tonsprache der klassischen Epoche mit einem herzigen Variationensatz versprühte. Mit L’Evasion von Astor Piazolla gelangten durch das homogen und beseelt musizierende Ensemble argentinische Klänge lyrischer Melancholie in die Kirche. Und das letzte Werk des Abends, Paulo Bellinatis Baião de Gude, was soviel wie „Spiel der Murmeln“ heißt, reiste lediglich ins südamerikanische Nachbarland Brasilien, blieb jedoch mit klassischen Gitarrenklängen und einer Prise nordamerikanischem Jazz der Linie angenehm zu lauschender und bemerkenswerter Gitarrenmusik treu. Mit der wehmütigen Pavane op. 50 von Gabriel Fauré verabschiedeten sich die drei Münchner.

Text: Werner Bodendorff
Kieler Nachrichten vom 2. September 2010
 
 
    Fotos: Marc Richter
Der Mensch mit all seinen Schwächen;
Mitreißende Tucholsky-Revue mit "Trio Tacheles"

Hohwacht/Lütjenburg. Das Schmökern in Geschichten von Kurt Tucholsky lohnt sich zu jeder Zeit. Noch entspannender, auf- und anregender und vor allem mitreißender ist es allerdings, ausgewählte Werke professionell präsentiert zu bekommen. Gesungen, rezitiert oder auch in Szene gesetzt - dieses Metier beherrscht das "Trio Tacheles" meisterlich.

Das können wohl alle Besucher der Revue bestätigen, zu der der Kleine Kulturkreis Lütjenburg für den Sonntagnachmittag nach Hohwacht ins Hotel Genueser Schiff eingeladen hatte. In sechs Sequenzen konnten sie in bequemer Sitzposition, die Hände frei zum Applaudieren, an der amüsanten Zeitreise durch das Leben des Mannes teilnehmen, der zu den bedeutendsten Publizisten der Weimarer Republik gerechnet wird. Die Revue mit dem Titel "Ach, Menschenskind!" beleuchtete tatsächlich, wie in der Einladung angekündigt, das Wirken und Werken, das Leben und Leiden Kurt Tucholskys (1890-1935). Gelegentlich, und dafür sorgten die Mimen des bestens aufeinander abgestimmten Trios, blieb das Lachen allerdings im Halse stecken."

"Im ersten Teil des knapp zweistündigen Programms stellten sich Silke Heimann (Gesang/Schauspiel), Philipp J. Sprong (Rezitation/Schauspiel) und Daniel Prandl (Klavier) mit Stücken und Chansons vor, die auf amüsante Weise Gesellschaftskritik übten und die Gattung Mensch mit all den Schwächen genüsslich charakterisierten. Dabei bekamen der Ehemann und die Gattin ebenso ihr Fett weg wie der eitle Journalist, die Barfrau und der liebestolle Chef."

"Dass Kurt Tucholsky als politisch engagierter Zeitungsherausgeber, Pazifist und Antimilitarist im Laufe der Jahre das Leben immer weniger amüsant erlebte, hat er mit spitzer Feder mal zynisch, mal humorvoll oder sentimental in Worte, Liedtexte und Versmaß verpackt. Beim Szenenspiel "Deutsche Richter von 1940" oder "Deutschland erwache" jedenfalls mochte sich das Publikum nur mit zaghaftem Applaus für die eindrucksvolle Darbietung bedanken.

Text: Peter Braune
Kieler Nachrichten vom 28. September 2010

 
 
 
    Fotos: Marc Richter
Keine Angst vor Klassik; Wer war der größere Dichter: Schiller oder Goethe?

Lütjenburg. Mit einem Augenzwinkern, oft lautstark, und zuweilen mit allen Augen zugedrückt, erweckten die Berliner Komödianten "Theater Furioso" am Sonnabend zum Leben, was mancher Gast zu Schulzeiten trocken hatte lesen müssen: die bekanntesten Balladen von Goethe und Schiller. Der Kleine Kulturkreis Lütjenburg machte es in der Alten Schmiede möglich, als er zum "Goethe-Schiller-Balladenduell" einlud."

"Dass sowohl Johann Wolfgang (von) Goethe als auch Johann Christoph Friedrich (von) Schiller geadelt wurden ob ihrer herausragenden literarischen Leistungen, ließ "Dr. Dr. Stockbrot" (alias Wolfgang Gundacker) und Dr. Dinkel (Moritz Röhl) vom "Theater Furioso" insofern nicht zur Ruhe kommen, als dass sie im Rahmen eines Balladenduells herausfinden mussten, welcher der beiden deutschen Dichter denn nun der größere Schreiber war. Schiller ("immer Drama, immer Tod, immer viel zu lang") und Goethe ("viel tollerer", Dr. Dr. Stockbrot) wurden unter vollem Körpereinsatz rezitiert, artikuliert, parodiert, und, unter der Regie von Reinhold Koch, mittels selbst gebautem "Applaus-O-Meter" aneinander gemessen."

"Zehn Balladen, vom berühmten "Zauberlehrling" bis hin zur "Bürgschaft", nahmen die beiden Mimen, bei reduziertem Bühnenbild und mit nur wenig Requisiten, gekonnt aufs Korn und posierten, gestikulierten und interpretierten in die gut bekannten Verse so manchen Sinn hinein, der dem einen oder anderen Schüler in seinem nächsten Deutschaufsatz bestens zur guten Note verhelfen würde. Allein, das Publikum in der voll besetzten Schmiede war den Schulbänken schon einige Jahrzehnte entwachsen - dafür aber ausgesprochen inhaltssicher."

"Es ist ein schöner, intimer Raum, das Publikum gefällt mir, wir kommen gerne wieder", bilanzierte Regisseur Reinhold Koch, der 120 Minuten volles Klassik-Programm nach bester Unterhaltungsmanier inszeniert hatte und zu recht aufforderte. "keine Angst vor Klassik" zu haben. Und wer das Duell gewann - das bewertete schlussendlich jeder Zuhörer ganz für sich allein.

Text: Jessica Bunjes
Kieler Nachrichten vom 01. November 2010
 
 
 
    Fotos: Marc Richter
 
Galerie 2ter Blick - Marc Richter, Galerie - Kunsthandel, Lütjenburg
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