Kleiner Kulturkreis Lütjenburg
     
Nachlese 2013    
Viel Spaß mit dem Hosenkauf

Axel Burkhardts Basslyrikensemble begeisterte
beim Kulturkreis


Lütjenburg. „Na, wie geht’s?“ Das ist eine der Fragen, die sich bestens als Floskel eignet, für eilige Menschen, die eigentlich gar keine Antwort darauf erwarten. Sie kann aber auch der Einstieg in ein abendfüllendes Programm sein, das die Zuhörer möglicherweise in den ersten Minuten irritiert, danach aber begeistert. Das Gastspiel von Axel Burkhardts Basslyrikensemble in Lütjenburg beim Kleinen Kulturkreis hat es bewiesen."

"Den oberflächlichen Dialog zwischen Gärtner und Gendarm über Banales und Sensationelles wie ein explodiertes Auto – was den anderen aber auch nicht interessiert – zu vertonen und im Sprechgesang zu präsentieren, beweist künstlerischen Mut. Namensgeber und Gründer Axel Burkhardt hatte zusammen mit seinen Musiker-Freunden Jan Heinemann (Vibrafon) und Maurizio Saccomanno (Percussion) die Band erst 2010 gegründet. Und trotzdem ist sie längst zu einem Geheimtipp vor allem in der Hamburger Szene, in Klubs und auf Kleinkunstbühnen geworden."

"Ein besonderes Faible hat Axel Burkhardt für meist skurrile Wortspiele, die er regelmäßig in der Poetry-Slam-Szene pflegt. Zum Beispiel: ein falscher Hase, vom richtigen Jäger verfehlt, der dafür den richtigen Hasen auf dem falschen Fuß erwischt. Und die Ideen für neue Texte scheinen dem Bass spielenden Poeten nicht auszugehen. Er braucht nur Alltagsszenen unter besonderem Blickwinkel zu betrachten, um richtig schön absurd lyrisch zu werden. Wer käme sonst schon auf den Gedanken, ein philosophisches Gespräch am Nachbartisch im Café aufzuschnappen und darüber den Text Platon de jour („ich fühl‘ mich so Dürrenmatt. Was Voltaire?“) zu schreiben. Und der Nonsense schön groovig-jazzig unterlegt mit seinen beiden bestens aufgelegten Musikerkollegen."

"Das Lütjenburger Publikum machte es dem Ensemble nicht schwer, in Klubstimmung zu kommen. War der Funke nun übergesprungen bei Verben im Vergleich, bei der Probefahrt im Jaguar (den die Band nicht zurückgeben konnte, weil das Autohaus inzwischen abgebrannt war …) oder dem urkomischen Hosenkauf mit unglaublichen Missverständnissen? Egal. Zuhörer wie Künstler hatten an diesem Abend sichtlich viel Spaß. Deshalb wurde mit der Zugabe Städtereise auch noch ein Sahnehäubchen draufgesetzt. Peb

Pressebericht KN vom 20. Februar 2013
 
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  Fotos: Marc Richter
Löwenfell oder Ziege als Geschenk für einen Diplomaten?

Lütjenburg – Darf oder sollte man als Diplomat ein Löwenfell oder eine lebende Ziege, die einem als Geschenk übergeben wird, annehmen oder nicht? Solche skurrilen oder aberwitzigen Fragen aus der abenteuerlichen Welt der Diplomatie stellte Ernst Freiherr von Münchhausen den zahlreichen Besuchern des Leseabends, die auf Einladung des Kleinen Kulturkreises aus Lütjenburg am Freitag in der Alten Schmiede erschienen waren. Sein Name ist Programm. Es wurde ein kurzweiliger und amüsanter Abend mit Freiherr von Münchhausen, denn dieser weiß - wie sein berühmter Vorfahre - unglaubliche Geschichten zu erzählen, die selbstverständlich alle wahr sein sollen.

In seinem Buch „Wenn wir die Wahrheit sagen, haben wir uns versprochen“ berichtet er von spannenden, kuriosen aber auch komischen Geschichten, die Diplomaten in aller Welt erlebt haben.

„Ich bin kein Diplomat geworden, weil ich die schwere Aufnahmeprüfung leider nicht bestanden habe“, erzählt von Münchhausen dem erstaunten Lütjenburger Publikum. „Aus der Not habe er eine Tugend gemacht – seit mehr als 10 Jahren bereitet der hauptamtliche Fachanwalt für Mietrecht nun Bewerber auf das schwierige Auswahlverfahren beim Auswärtigen Amt vor.

An diesem Abend nimmt von Münchhausen die Zuhörer mit auf das diplomatische Parkett dieser Welt. Die Geschichten von Härteposten oder von Vorfällen bei diplomatischen Besuchen sind deshalb so interessant, weil sie doch alle wahr seien, weiß von Münchhausen zu berichten.

Das Lütjenburger Publikum glaubt ihm, trotz – oder gerade wegen – des Augenzwinkerns im Gesicht von Münchhausen.
Übrigens: Das Löwenfell dürfe man als Geschenk ablehnen – verrät von Münchhausen den Zuhörern. Wie das mit der lebenden Ziege ist – das möge man selbst nachlesen oder einen fragen , der an diesem Abend Teil dieses Leseabends sein durfte.

Pressebericht Stevo B. vom 16. März 2013

 
 
  Fotos: Marc Richter
Ein Hochgenuss für Kästner-Verehrer

In Szenen, Briefen, Liedern und Gedichten zeichnen Madeleine Lierck-Wien und ihr Sohn Fabian Oscar Wien den Lebensweg Erich Kästners nach-witzig und amüsant, aber auch ernst, melancholisch und bitter. Es werden nur die wichtigsten Stationen seines Lebens dargestellt: die Kindheit in Dresden-Neustadt, wo die Mutter den Jungen mit Heimarbeit und Zimmer-Untervermietung durchbringt; die Rückkehr des neunzehnjährigen Kästner aus dem ersten Weltkrieg; die Studienzeit in Leipzig, die geprägt war durch vielerlei Jobs und etliche Affären, von denen nicht alle glücklich endeten; der Verlust seiner Redakteursstelle wegen eines kritischen Gedichtes über Beethoven; die Zeit in Berlin, wo er u.a. sein erfolgreiches Buch: “Emil und die Detektive“ geschrieben hat; dem Publikationsverbot während des Dritten Reiches und den Umzug nach München-hier widmet er sich verstärkt dem Kabarett. 1974 stirbt er alkoholkrank, verbittert und enttäuscht von den Menschen.

Beide Schauspieler begeistern durch ihre große Wandlungsfähigkeit, wie sie von einem Moment zum anderen in verschiedene Rollen schlüpfen, Gefühle ausdrücken und das Publikum mit hineinnehmen in Heiterkeit und Spott, in Betroffenheit, Angst und Trauer. Mit nur wenigen Requisiten und der musikalischen Untermalung am Flügel und einiger Saxophonsoli durch Petko Datschew sowie durch die Einspielung von passender Musik und Geräuschen wird es ein packender, ergreifender Theaterabend. Nicht enden wollender Applaus entlässt die beiden Schauspieler erst nach einigen Zugaben.

Text: I. Allwardt
 
 
 
    Fotos: Marc Richter
Felix Mendelssohn Bartholdy - Der Mozart des 19. Jahrhunderts
Betrachtet man nicht nur den viel zitierten Anfang des Ausspruches von Robert Schumann, der einst Mendelssohn als den 'Mozart des 19. Jahrhunderts' bezeichnet hatte, sondern auch dessen Fortsetzung '..., der hellste Musiker, der die Widersprüche der Zeit am klarsten durchschaut und zuerst versöhnt hat', dann wird mit einem Male die Mendelssohn'sche Musik nicht mehr nur auf ein freundliches Leuchten reduziert, sondern geht unter die Oberfläche. Dieses Durchbrechen, das Eintauchen in eine tiefere Dimension wurde dem auch nicht so musikalisch bewanderten Zuhörer durch den ausführlichen Vortrag und die sorgsam ausgewählten Musikbeispiele von Dr. Strehk ermöglicht.

Eine exzellente Ausbildung, ein begütertes Elternhaus, in dem geistige Grössen der Zeit ein und ausgehen, bieten dem jungen Mendelssohn neben seiner Hochbegabung eine privilegierte Basis. Bereits mit 15 Jahren konnte er auf über hundert eigene Kompositionen blicken und bereiste alle wichtigen europäischen Kunstmetropolen. Einen gewaltsamen Einschnitt in seinem Tatendrang stellten jeweils die Verluste starker Bezugspersonen dar, wie z. Bsp. des Lehrers Carl Friedrich Zelter, Goethe und nicht zuletzt der Tod seiner geliebten Schwester Fanny. Mit gerade 39 Jahren erlag er mehreren Schlaganfällen und wurde - wie Mozart - viel zu früh aus seinem produktiven Leben gerissen.

Durch ihn entstand ein neues Bewusstsein für die Meisterwerke vergangener Epochen, sei es durch das Aufleben-lassen der lang vergessenen Vokalmusik Bachs oder durch die Bearbeitung von Händel Oratorien. Aber sein Schaffen beschränkte sich nicht nur auf die grossen Formen, sondern auch auf die kleinen, wie z. Bsp. Lyrikvertonungen oder die 'Lieder ohne Worte'. Seiner Rolle als Gewandhaus-Kapellmeister zu Leipzig ist der heutige hohe Standard zu verdanken und ebenso wurde durch Mendelssohn das erste deutsche Musikkonservatorium aufgebaut.

Herr Dr. Strehk hat in seinem Vortrag eine einzigartige Persönlichkeit, die einen nicht abschätzbaren Einfluss auf das moderne Konzertleben ausübte, auf sehr eindringliche Weise vorgestellt. Das sinfonische Chorkonzert mit Psalmkantaten von Felix Mendelssohn unter der Leitung von Ralf Popken in der Michaeliskirche war am darauffolgenden Sonntag dann das Tüpfelchen auf dem i.
 
 
Text: Doris Hönig
Fotos: Marc Richter
 
Panker. „Mit den besten Grüßen aus dem Paradiesgarten der Klänge“ hätte das Konzert Dans le jardin von Meike Leluschko (Sopran) und Jenny Ruppik (Harfe) auch heißen können. Das Duo bezauberte das Publikum in der gut besetzten Schlosskapelle Panker vom ersten Ton an mit einer ganz eigenen Mischung aus Leichtigkeit und Tiefe im Vortrag, jugendlicher Anmut in Auftreten und Stimme, großer Gestaltungskraft und ansteckender Freude."

"Das in Intensität und Lautstärke aufblühend und sehr klug gegliederte Programm aus Liedern, Arien und Solostücken für Harfe zog die Zuhörer minütlich tiefer in den Bann. Mit wohlklingenden Appetithappen fürs Ohr startete das Duo heiter. Frühlings- und Sommerstimmung, die An die Freude von Wolfgang Amadeus Mozart und die verführerische Hommage an die mondliebende Lotusblume von Robert Schumann verströmen, reicherte Leluschko wohltuend mit Spritzigkeit und Witz an. Mit ihrer Lebendigkeit befreite die spielbegabte Sängerin die Kompositionen von allzu eindimensionaler Süße."
"Dramatische Farbe und großem Volumen dagegen hatte sich die technisch höchst versierte Sopranistin für Chansons d’amour, Après un rêve und der von Gabriel Fauré und Giacomo Puccinis Sole e amore und den Klassik-Hit O mio babbino caro, die Arietta der Lauretta aus der Oper Gianni Schicchi, aufbewahrt. Berührend und tief gelangen Klage und Leidenschaft. Ein Genuss, den immer lebendig gestalteten Linien, den höchst differenzierten Lautstärkeschattierungen der klaren, sehr wendigen Stimme zu folgen."
"Scarborough Fair in einem Arrangement von David Watkins gehörte zu den größten gemeinsamen Momenten des Duos: Während Leluschko edel und schlicht die Melodie wie einen unendlichen Faden sponn, umwebte Jenny Ruppik anfangs mit transparenten Einzeltönen, dann mit immer üppigeren Harmonien den schönen Ton der Sängerin. Mit virtuoser Saitenbeherrschung in La source von Alphonse Hasselmans und La lettre du Jardinier von Marcel Tournier, La danse des sylphes von Felix Godefroid riss sie das begeisterte Publikum zu Bravorufen hin.

KN vom 29.06. 2013, B. König
Fotos: Marc Richter
Lesung der Katastrophen

Das Motto des Kleinen Kulturkreises 'back to the roots' hat die Reihe der Künstler, die aus Lütjenburg und seiner Umgebung stammen nach Daniel Richter und Ernst Kahl am Freitag, den 26.07.2013 nun noch um Rocko Schamoni erweitert. Das Treffen der 1. Vorsitzenden Ilse Allwardt und dem bekannten Gast in der Gutsscheune auf Gut Helmstorf stellte sich als ehemaliges Schüler-Lehrer-Verhältnis heraus. Schamoni, dessen bürgerlicher Name Tobias Albrecht ist, wurde dem versammelten Publikum in launiger Art und Weise als kreativer, aber ebenso chaotischer Schüler vorgestellt. Der ehemalige Lütjenburger, der seine Jugenderlebnisse in seinem Roman 'Dorfpunks' schilderte, wurde, bevor er sich als illustrer Punk in die weite Welt aufmachte, von Frau Allwardt als Halbstarker beschrieben, der die Grenzen der Kleinstadt ausgereizt und teilweise auch überschritten hat. In der nahen Hansestadt machte er sich dann einen Namen als Entertainer, Musiker, Autor, Schauspieler, Clubbetreiber und Mitglied des Komik-Ensembles 'Studio Braun'.

Die - gemäss Schamoni - äusserst dünne Humor-Lage in Deutschland führte ihn zu den grotesken Texten von Hermann Harry Schmitz, der vor genau 100 Jahren gestorben ist. Mit Hilfe eines bewährten Humor-Saftes (Bier) und einer Mischung aus eigenen und Texten von Schmitz versuchte Schamoni mit der 'Lesung der Katastrophen' im Laufe des Abends zu beweisen, dass Humor kein Verfallsdatum hat. Bei den beiden Geschichten 'Die Bluse' und 'Der Mann mit dem verschluckten Auge' von H. H. Schmitz war es oft nicht klar ersichtlich, weshalb das Publikum zu lachen begann, allein der abstrusen Worte wegen oder doch eher aufgrund des ansteckenden Gelächters des Vortragenden selber. Nach der Pause gab Schamoni aus seinem Roman 'Tag der geschlossenen Tür' eine Kostprobe, indem er die Romananfänge seines Protagonisten Michael Sonntag zum Besten gab. Bevor er dann seinen Rucksack wieder schulterte und mit seinem Tirolerhut von dannen zog, ermunterte er die Lütjenburger, doch noch einen gemeinsamen Versuch für das bereits mehrfach angedachte Kulturzentrum in dem leerstehenden D. H. Boll Brauereigelände am Markt in Lütjenburg zu unternehmen. Der Abend endete - hoffentlich ohne nennenswerte Katastrophen - mit vielen anregenden und heiteren Gesprächen vor und in der Gutsscheune.
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Text: Doris Hönig
Fotos: Marc Richter
Lesung - Jaan Undusk

Noch am Abend lastete eine fast unerträgliche Hitze über dem Innenhof des Lütjenburger Rathauses und auch im Rathaus selbst. Der Lyrikparcour führte die Besucher über den Innenhof durch das Rathaus in den Ratssaal. Er stieß auf großes Interesse, so dass man die Besucher lesend verweilen sah. Flötenspiel eröffnete die Veranstaltung. Der estnische Autor und Literaturwissenschaftler Dr. Jaan Undusk vermochte mit seinem Vortrag "Wir Hyperboreer" zu fesseln. Mit gespannter Aufmerksamkeit folgten die Besucher seinen Ausführungen über die Literatur, Kultur und Geschichte Estlands. Humorvoll versuchte er einen Einblick in das Wesen der Esten zu geben. Die Geschichte mit dem einfachen Kieselstein beim abendlichen Festessen einer größeren europäischen Gesellschaft verdeutlichte das Besondere der Esten – der Este als Steinchen zwischen den Zähnen des Europäers – psychologisch faszinierend, zugleich eine ernstzunehmende Perspektive für das Estnische schlechthin.

Nach der Pause beantworteten Dr. Griep, Vorsitzender des Literaturhauses Schleswig-Holstein, Prof. Dr. Kronauer, Vorsitzender der Jochmann-Gesellschaft e.V. und Kenner Estlands, und Dr. Undusk, Literaturwissenschaftler und Schriftsteller Estlands, die sachkundigen und interessierten Fragen der Zuhörer.

Der Bürgermeister von Lütjenburg, Herr Sohn, dankte der Diskussionsrunde im Namen der Stadt und überreichte Dr. Griep, Prof. Dr. Kronauer und Dr. Undusk Geschichtsbücher über Lütjenburg mit der Aufforderung, die Stadt wieder zu besuchen. Flötenspiel beendete die Veranstaltung.

Text: I. Allwardt
 
 
Fotos: Marc Richter
Axel Hacke - "Oberst von Huhn und andere Geschichten"

Hohwacht. „So herzlich haben wir schon lange nicht mehr gelacht“, meinten Maren und Herwig Schlör aus Lütjenburg nach der Lesung mit Axel Hacke begeistert.

Etliche Taschentücher wurden im Publikum im Verlauf der gut zweieinhalbstündigen Veranstaltung des Kleinen Kulturkreises im Hotel Hohe Wacht gezückt, um Lachtränen aus den Augenwinkeln zu wischen. Der in München lebende Journalist und Autor zahlreicher Bücher und Kolumnen hatte mit seinem Oberst von Huhn zu Tisch gebeten und kurz vor Beginn des heiteren Mahls mussten zusätzliche Stühle aufgestellt werden. Dabei kannten etliche Zuhörer den Schriftsteller Axel Hacke noch gar nicht , der vor allem mit seinem Buch „Der weiße Neger Wumbaba“ einen Kassenfüller gelandet hatte. So auch Herwig Schlör, der eigentlich nur auf Drängen seiner Frau gekommen war. „Als ehemalige Gastronomen sind wir ja ein bisschen vom Fach“, sagte der gelernte Koch schmunzelnd und war schon nach der Pause ausgesprochen froh, auf seine Frau gehört zu haben. Es war aber auch zu köstlich, Hackes Parodien auf „Fehlübersetzungsmeisterleistungen“ in Speisekarten aus aller Welt zu lauschen, seine Wortspielereien nachzuvollziehen und seinen Sprachbildern zu folgen, die sich im Kopf sofort zu urkomischen Szenen zusammenfügten. Wie bizarr muss es aussehen, wenn sich „Oberst von Huhn drastisch in einer Weißweincreme mit Penne Nudeln Federn und Parmesankäse ausbreitet“? Wie fühlen sich „gefühlte Paprikaschotten“ in der Pfanne oder der „Angsthase im Backofen“? Wie kriegt man einen „Frisbee-Salat“ oder gar einen „Isolationsschlauch nach Köhler Art“ runter? Ein Fakir muss man für Letzteres nicht sein, denn bei diesem Gericht, gefunden auf einer Speisekarte in Griechenland, handelt es sich um simple Spaghetti Carbonara.

Doch Axel Hacke hat all die abenteuerlichen Übersetzungen nicht nur gefällig kombiniert und kommentiert, sondern auch das Geheimnis der semantischen Bruchlandungen gelüftet: Schuld sind in den meisten Fällen diverse, im Internet verfügbare Übersetzungsprogramme, mit welchen Landessprachliches oft erst ins Englische und dann ins Deutsche übersetzt wird. Als Dessert servierte der 57-Jährige nicht weniger amüsante Kostproben aus anderen Büchern sowie aus seiner Kolumnen-Sammlung. ago

Pressebericht Anne Gothsch vom 16.08.2013
Fotos: Marc Richter

Moon of Alabama Brecht-Weill-Songs
im Ev. Gemeindehaus am 22. 09. 2013
Cora Chilcott (Schauspiel & Gesang)
Volker Jaekel (Klavier)

Licht: Alexandra Ehrlitzer
Volkmar Thiele

Fotos: Marc Richter

   
   
 
Peter Shaffers 'Amadeus'
Der britische Dramatiker Peter Shaffer hat mit seinem Theaterstück 'Amadeus' das Genie und die Mittelmäßigkeit zum Thema gemacht. Durch einen simplen Gamaschen-Trick leiht der Puppenspieler Detlef-A. Heinichen den Puppen auf der Bühne seine Hände und haucht ihnen so Leben ein. Ein gelungener Abend, der einen Eindruck vom kaiserlichen Hofe im 18. Jahrhundert vermittelt und auch die 7 jährige Rabea, als Jüngste im Publikum, sichtlich beeindruckt hat.
Antonio Salieri, Hofkomponist von Kaiser Joseph II., hat als einziger seiner Zeit das Genie des jungen Mozart erkannt, und er galt zeitlebens als dessen Gegenspieler und Neider. Salieri steht gleich zweimal auf der Bühne. Zum einen als Puppe in seinem 31. Lebensjahr und zum anderen als der gealterte und verbitterte Salieri in der Person Heinichens. Er spricht die Geister der Zukunft (das Publikum) direkt an, bittet sie jedoch nicht um Verzeihung, sondern sie sollen vielmehr verstehen. Seine Lebensbeichte beginnt mit der alles entscheidenden Frage: 'Mozarts Tod - War ich's oder war ich's nicht?'
Salieris Erzählung setzt im Jahre 1781 ein, als alle Welt von einem 12jährigen Virtuosen aus Salzburg spricht. Schon als er das erste Mal eine Symphonie von Mozart hört, erwacht die Eifersucht auf diese göttliche Musik in Salieri. Doch im Gegensatz zu den lieblichen Tönen ist Mozarts Verhalten ordinär und stößt ganz Wien vor den Kopf. Zudem beängstigt das Publikum, den Kaiser eingeschlossen, die Komplexität seiner Musik, und so kann Mozart trotz seiner Opern 'Die Entführung aus dem Serail', 'Die Hochzeit des Figaro', 'Don Giovanni' und 'Die Zauberflöte' - allesamt spätere Welterfolge - keinen Fuß auf der kaiserlichen Bühne fassen. Salieri nutzt diesen Umstand für seine persönliche Rache und verwehrt ihm jegliche Hilfestellung. Schlussendlich verliert Mozart durch die Enthüllungen der geheimen Riten der Loge der Freimaurer in der Oper 'Die Zauberflöte' noch seine letzten Gönner. Völlig verlassen wird er in seinen Träumen von einer maskierten Gestalt zu seinem Requiem gedrängt. Salieri nutzt sein Wissen um diese Angst und treibt Mozart fast in den Wahnsinn. Er stellt die These auf, dass beide, er und Mozart, voneinander vergiftet worden seien und isst das Requiem vor Mozarts Augen auf. Der gerade 35 jährige stirbt und findet 1791 sein Ende im Armengrab.
Ein Sieg für Salieri? Trotz seines Erfolges weiß er um die Mittelmäßigkeit seiner Musik und als letzter Versuch sich an die Unsterblichkeit von Mozart zu klammern, setzt Salieri - bevor er sich 1825 die Kehle durchschneidet - das Gerücht in die Welt, er habe Mozart vergiftet. Doch keiner glaubte an seine Schuld.

Text: Doris Hönig
Fotos: Peter Zenner
Galerie 2ter Blick - Marc Richter, Galerie - Kunsthandel, Lütjenburg
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